Presseartikel in "Erdinger Anzeiger"
(14.03.2001)
Wagner: Bauers Vergangenheit muss aufgearbeitet werden
Dorfen (ar) - Die Jungen Ökologen (JÖ) Dorfen, eine Nachwuchsorganisation der ÖDP, haben gestern vor einer "stillen Diskussion" um die Vergangenheit des Schriftstellers Josef Martin Bauer gewarnt. Dies berge die Gefahr, dass sich erneut Rechtsextremisten "in Dorfen einnisten", so Florian Wagner.
"Es ist grausam, die Gnade des Vergessens zu durchbrechen", schreibt Josef Martin Bauer im Nachwort seines Romans ‚So weit die Füße tragen'. Er konnte damals nicht wissen, dass dieser Satz heute, zu seinem 100. Geburtstag so treffen ist, dass er ein Kommentar zu der aktuellen Debatte um die nationalsozialistische Vergangenheit des Dorfener Schriftstellers sein könnte. Es ist in diesem Zusammenhang grausam, sich zu erinnern, aber es ist unbedingt nötig. Wer von ‚tierhaften Asiaten' spricht und schreibt, der reiht sich ein, nicht in die Riege der Mitläufer, sondern in die der Täter", so Wagner.
Die Propaganda sei eines der wichtigsten und schlagkräftigsten Herrschaftsmittel der Nazis gewesen. Bauer sei nicht auf sie hereingefallen, sondern er habe sie selbst produziert. Wagner: "Keiner hatte ihn gezwungen dies zu tun. Er hatte keine Nachteile zu erwarten, wenn er es nicht getan hätte. Er wäre nicht bestraft worden, nicht ins KZ gekommen, und nicht einmal seinen Beruf als Schriftsteller hätte er aufgeben müssen."
Bauer habe also nicht auf Druck gehandelt oder sei gezwungen gewesen, menschenverachtende Propaganda für das NS-Regime zu fabrizieren. Wagner: "Wenn die Aufarbeitung der Vergangenheit den Älteren schwerfällt, muss sich die Jugend zu Wort melden und die ‚Gnade des Vergessens' durchbrechen."