Kennst du die Kalorienzahl fast aller Lebensmittel auswendig?
Hängt deine Stimmung vom morgendlichen Blick auf die Waage ab?
Vergleichst du etwa deine Figur mit Modells und Fernsehstars, mit sogenannten Vorbildern, die dir im Fernsehen gezeigt werden? Von 240 Playmates im Playboy von 1978 bis 1998 lagen über 80% der Frauen mindestens 15% unter ihrem eigentlichen Idealgewicht - ein sicheres Indiz für eine vorliegende Essstörung (Der Spiegel, 23.12.2000).
Dein Idealgewicht kannst du mit dem sog. BMI berechnen, dem Body-Maß-Index. Er errechnet sich aus deinem Körpergewicht, geteilt durch deine Körpergröße im Quadrat (kg : m²).
Daraus ergibt sich eine Indexzahl:
BMI 20-30:
unbedenklich, normal
BMI unter 20:
Untergewicht (unter 18 extremes Untergewicht!)
BMI über 30:
behandlungswürdiges Übergewicht
Wenn du also z.B. 60 kg wiegst und ca. 1,65 m groß bist, liegt dein BMI im Idealbereich von 22 (60 : (1,65 x 1,65) = 22,04).
Jeder dritte Mensch in Deutschland hat einmal im Leben vorübergehend eine Essstörung. 85% der Betroffenen sind Mädchen und Frauen.
Essstörungen beginnen im Kopf. Die ständige Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper führt zu Diätversuchen oder eingeschränktem Essen, d.h. bestimmte Nahrungsmittel werden vermieden oder die Menge und Zeiten stark eingeschränkt.
Das kann bereits der Einstieg in eine Essstörung sein!
Magersucht (Anorexia Nervosa)
Magersüchtige sind auffallend dünn. Sie stehen nicht mehr in Kontakt zu ihrem Körper, wichtig ist der Kopf, der kontrolliert und steuert. Der Körper ist ein Feind, der gierig und bedürftig ist und bekämpft werden muss.
So erkennst du Magersucht:
Extreme Angst vor Gewichtszunahme
Streng kontrollierte und eingeschränkte Nahrungsaufnahme
Übertriebene körperliche Aktivität
Selbstherbeigeführtes Erbrechen oder Abführen
Übertriebenes gedankliches Kreisen um Nahrung und Aussehen
Perfektionismus
Das solltest du auch wissen:
Magersucht führt zu einem Absinken des Stoffwechsels, des Pulses, des Blutdrucks und der Körpertemperatur, was zu Müdigkeit, Frieren und Verstopfung führt, zu trockener Haut, brüchigen Haaren, manchmal auch zu einem Ausbleiben der Periode.
10% aller Magersüchtigen sterben an ihrer Krankheit, bei 30% wird die Sucht chronisch, bei 30% tritt eine Heilung nach einer Behandlung ein und weitere 30% erfahren eine "Spontanheilung".
Jede/r 7. Jugendliche ist ein Magersucht-Risiko
Bulimie (Bulimia Nervosa)
Vom äußeren Erscheinungsbild sind bulimische Frauen und Männer unauffällig, meist schlank. Auch ihr Essverhalten in der Öffentlichkeit ist eher kontrolliert. Nach außen hin funktioniert alles perfekt.
So erkennst du Bulimie:
Mindestens zwei Essattacken pro Woche über zwei Monate, dabei Aufnahme großer Mengen meist leichtverzehrbarer und kalorienreicher Nahrungsmittel
Das Gefühl, das Essverhalten während der Anfälle nicht unter Kontrolle halten zu können
Ungeschehenmachen der Kalorienzufuhr durch selbstherbeigeführtes Erbrechen, Medikamentenmissbrauch, strenge Diätphasen und/oder übertriebene körperliche Betätigung
Andauernde, übertriebene Beschäftigung mit Figur und Gewicht
Krankhafte Furcht davor, dick zu werden
Das solltest du auch wissen:
Die körperlichen Folgen der Bulimie sind Schwellungen der Speicheldrüsen, Zahnschäden, Speiseröhreneinrisse, Magenwandperforation, Nierenschäden und Herzrhythmusstörungen.
Weltweit sind 3,5% aller Frauen zwischen 15 und 35 Jahren von Bulimie betroffen, Tendenz stark steigend. Pro Heißhungerattacke werden bis zu 6.000 kcal und mehr verzehrt, eine Attacke kostet bis zu 70 DM.
60% der Betroffenen erbrechen 1-2 mal täglich, 30% bis zu 6 mal, 10% noch häufiger.
Esssucht (Binge Eating)
Esssüchtige Frauen und Männer leiden unter Heißhungerattacken, die jedoch im Gegensatz zur Bulimie nicht ungeschehen gemacht werden. Diese - meist übergewichtigen - Menschen schlucken ihre Gefühle herunter. Essen ist ihr Weg, z.B. mit Zurückweisung und innerer Leere umzugehen.
So erkennst du Esssucht:
Wiederkehrende Episoden von Heißhungeranfällen, mindestens zwei pro Woche über sechs Monate. Diese Anfälle werden als zwanghaft und unkontrolliert erlebt, danach Unbehagen, Schuldgefühle, Depressionen, Selbstvorwürfe.
Mindestens drei der nachfolgenden Merkmale: übermäßiges schnelles Essen, Schlingen
essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl
essen ohne körperliches Hungergefühl
allein essen aus Scham
Ekel, depressive Verstimmungen und Schuldgefühle nach dem Essen
Die Essanfälle werden nicht ungeschehen gemacht
Das solltest du auch wissen:
Bei zu starkem Übergewicht (BMI über 30) können Überbelastungen des Herzens, des Kreislaufs und des Skeletts auftreten, was zu Schlaganfällen, Herzinfarkt, Leberschäden, Diabetes, Gelenkleiden und Wirbelsäulenschäden führen kann.
Latente Esssucht
Wer an latenter Esssucht leidet, kontrolliert in regelmäßigen Abständen sein Gewicht. Wird die Lebensqualität durch die übertriebene Beschäftigung mit Nahrung und Gewicht massiv eingeschränkt, ist es an der Zeit, etwas zu verändern.
Latente Esssucht ist oft der Einstieg in eine andere Art von Essstörungen.
So erkennst du Latente Esssucht:
Hohe Gewichtsschwankungen innerhalb kurzer Zeit, Jö-Jö-Effekt
Ständige Auseinandersetzung mit dem Körpergewicht
Angst vor einer Gewichtszunahme
Fehlendes Vertrauen in die eigenen Bedürfnisse und Körpersignale
Unvermögen von spontaner Befriedigung des Hungers und des entspannendes Genießens
Wechsel zwischen Zuviel-Essen und Diät-Halten
Das solltest du auch wissen:
Alle Abführmittel sind schädlich und keine wirksame Unterstützung bei der Gewichtsregulation.
Appetitzügler sind nur bei sehr starkem Übergewicht und unter ärztlicher Kontrolle erlaubt.
Es gibt kein Produkt auf dem Markt, welches langfristig zu einer Gewichtsreduktion führt.
Ein ausgewogenes, lustvolles Ernährungs- und Bewegungsverhalten und eine stabile Psyche sind Garanten für ein Leben ohne Essstörungen.
Weitere Informatioen zu diesem Thema erhältst du bei vielen Stellen. Hab' keine Angst, dich an professionelle Beratungsstellen zu wenden, wenn du denkst, dass du selbst ein Problem mit deinem Essverhalten hast, oder wenn du das Gefühl hast, dass eine Freundin, ein Freund, deine Schwester oder dein Bruder Hilfe benötigen.
Kostenlose Broschüren und Infomaterialien bekommst du beim Bundesamt für gesundheitliche Aufklärung BzgA in 51101 Köln. Du kannst sie auch direkt über Internet unter http://www.bzga.de anfordern. Dort findest du auch ein Adressverzeichnis mit Beratungsstellen auch in deiner Nähe.
Außerdem gibt es in Erding und München eine Reihe sehr guter Beratungsstellen, an die du dich jederzeit wenden kannst:
Wardetzki, Bärbel: Iss doch endlich mal normal! (Ratgeber für Angehörige), Kösel-Verlag 1996 (29,80 DM)
Wenn du weitere Fragen hast, mehr Buchtitel erfahren möchtest oder Infos brauchst, kannst du dich natürlich auch gerne an uns wenden (e-mail: ich-mag@joe-erding.de).